Vom Leben einer freien Schrift in der Buchwelt

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Wenn der deutsche Meister der Typographie eine neue Schrift entwirft, dann blickt die ganze Welt in diese Richtung. Nicht anders war es, als Erik Spiekermann in 2013 eine neue Schrift für die Mozilla Foundation entworfen hat: Fira Sans.

Wobei ganz stimmt das ja nicht, entwickelt wurde Fira Sans nicht von Spiekermann alleine, massgeblich beteiligt am ursprünglichen Design war auch Ralph du Carrois und in späteren Versionen und Erweiterungen Anja Meiners und Botio Nikoltchev. Dass Spiekermann am meisten Aufmerksamkeit dafür erhält, liegt einerseits sicherlich an der Bekanntheit seines Namens, wie aber auch am simplen Fakt, dass Fira Sans auf der berühmten FF Meta aufbaut, die aus der Feder von Spiekermann stammt. Die FF Meta war eine der ersten Schriften, die nicht nur für Printprodukte konzipiert war, sondern auch auf Bildschirmen funktioniert hat.

Die digitalen Eigenschaften der FF Meta führt auch Fira Sans weiter, wurde die Schrift doch von der Mozilla Foundation (unter anderem verantwortlich für die Entwicklung des Firefox Browsers) für das mittlerweile gescheiterte Mobile Betriebssystem Firefox OS kommissioniert. Fira Sans ist damit, noch stärker als die FF Meta, eine “digital-first” Schrift. Eine Schrift, die auf den Bildschirmen zu Hause sein soll, nicht unbedingt gedruckt in Büchern, auf Postern oder Flyern. Diese digitale Heimat wird noch verschärft durch die Erweiterung Fira Go, die Zeichenunterstützung für verschiedenste Sprachen, Symbole etc. mitbringt und in einer einheitlichen Schriftfamilie vereint, denn es ist auch in digitalen Zeiten weiterhin eine Seltenheit, dass eine Schrift beispielsweise ein @ Zeichen hat, dass sich nahtlos in den restlichen Zeichensatz einfügt.

Es ist aber nicht nur diese konsequent aufs digitale ausgerichtete Attitüde, die die Fira Sans besonders macht, auch die Lizenz ist aussergewöhnlich: Sie ist nämlich frei (SIL Open Font). Dass eine Schrift mit der Qualität einer Fira Sans unter einer freien Lizenz zur Verfügung gestellt wird, gehört für Schriften sicherlich nicht zur Norm. Im Gegenteil, gute Schriften unter solchen Lizenzen lassen sich an einer Hand (oder an zwei, drei Fingern) abzählen. Auch die Art der Lizenzierung zeigt wieder, woher und wofür die Schrift geschaffen wurde, denn in der digitalen Welt hat es sich längst eingebürgert, dass Software mit freien oder offenen Lizenzen verfügbar ist (sogenannte Open Source oder Freie Softwarelizenzen). Die Fira Sans ist also auch hier konsequent digital ausgerichtet. Aber, und dies ist nun das bekannte grosse Aber, trotz dieser konsequent digitalen Ausrichtung findet sich die Fira Sans immer wie mehr auch in gedruckten Produkten wieder.

Zu diesen Printmedien gehören, selbstverständlich, auch Bücher. Da mir die Schrift in der letzten Zeit immer wieder begegnet ist, durchaus auch prominent auf einigen Covern, wurde es Zeit, ein wenig nachzuforschen, wo diese Schrift gerne benutzt wird und wer es besonders gerne tut. Aufgrund dessen habe ich mich bei drei Verlagen umgehört. Der Kölner parasitenpresse, die Fira Sans zu einer der Hausschriften auserkoren haben, dem Mannheimer Kunstanstifter Verlag, der die Schrift immer wieder verwendet und dem Berliner Verlag VHV, der die Schrift im letzten Buchprojekt zum ersten Mal verwendet hat.